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Welcher Luftdruck gehört in Motocross oder Enduro-Reifen?

Eine sehr häufige Frage von Offroad-Anfängern ist die, nach dem richtigen Luftdruck im Reifen Ihrer Motocross oder Enduro. Die Antwort auf diese Frage: Es kommt ganz darauf an. Der richtige Reifendruck hängt ganz vom Gewicht des Fahrers, des Reifens, der Außentemperatur sowie der Bodenbeschaffenheit ab, weshalb es kaum möglich ist eine pauschal geltende Antwort auf diese Frage zu geben.

Zumindest nicht wenn es darum geht, den Luftdruck deiner Reifen korrekt auf die jeweiligen Gegebenheiten anzupassen. Aber es gibt tatsächlich einen groben Richtwert, mit dem es sich erstmal brauchbar leben und fahren lässt. Der Luftdruck der meisten Dirt-Bikes sollte zwischen 0,4 und 1,25 bar (6-18 PSI) liegen. Ein weit verbreiteterer und meist propagierter Standard-Luftdruck bei Standard-Fahrern mit Standard-Reifen liegt meist zwischen 0,8 bis 1,0 bar.

Möchtest du jedoch den Reifendruck perfekt auf dich, deinen Fahrstil und die Bodenbeschaffenheiten anpassen, solltest du weiterlesen und verstehen was du alles mit einem angepassten Luftdruck bewirken und verändern kannst.

Welche Vor- und Nachteile haben unterschiedliche Reifendrücke beim Motocross und Enduro?

Für den einen oder anderen mag es zunächst vielleicht ein wenig kleinkariert und überzogen erscheinen, den Reifen-Luftdruck um 0,1 bar nach oben oder unten zu korrigieren und mit einer spürbaren Veränderung beim Fahren und im Verhalten des MX-Bikes zu rechnen.

Aber genau das ist der Fall und macht im Zweifelsfall genau den Unterschied. Mann sollte sich auch bewusst sein, dass im aufgezeigten Beispiel-Luftdruck eine Abweichung von 0,15 bar eine Veränderung des Reifen-Luftdrucks um 20% bedeutet!

Die Vorteile eines höheren Reifendrucks:

  1. Man erreicht höhere Geschwindigkeiten und braucht weniger Energie für die Beschleunigung
  2. Reifen und Felgen werden durch höheren Luftdruck geschützt und schlagen bei felsigem und wurzeligem Gelände weniger durch
  3. Ein höherer Luftdruck ist bei schwereren Fahren angebracht, um das durchschlagen zu verhindern
  4. Ein höherer Luftdruck sorgt für mehr Stabilität in Kurven und vor allem beim Vorderrad für  mehr Spurtreue

Die Vorteile eines niedrigeren Luftdrucks:

  1. Es entsteht mehr Auflagefläche und somit mehr Traktion auf losen und rutschigem Untergrund
  2. Ein niedrigerer Luftdruck ist ideal auf Cross-Strecken, wo klar ist das keine Wurzel oder felsige Untergründe vorkommen
  3. Optimal wenn der Untergrund aus weichem Ton, Schlamm oder losem Fels besteht. Aber auch im Sand sollte man sogar runter bis auf 0,6 bar gehen
  4. Bei leichten Fahrern kann der Luftdruck bei den genannten Begebenheiten soweit abgesenkt werden, ohne das man Angst vorm durchschlagen haben muss

Faktoren die den Reifendruck beeinflussen

  1. Der verwendete Reifentyp (weiche oder harte Reifenmischung)
  2. Das Fahrergewicht (Das Fahrergewicht samt Schutzausrüstung und Ausstattung kann den Reifendruck erheblich beeinflussen)
  3. Das Gelände (Harte und steinige Untergründe erfordern einen höheren Luftdruck als weiche, lose und schlammige Bodenverhältnisse)
  4. Die Vorlieben des Fahrers. Ist ein guter Grip in allen Lagen gewünscht, solltest du einen niedrigeren Luftdruck wählen, auf die Gefahr hin, dass du dir gegebenenfalls deine Felgen ruinierst, wenn überraschenderweise Steine oder Wurzeln auftauchen. Ist man schnell unterwegs, sollte man einen höheren Luftdruck wählen, um Spurtreue zu gewährleisten und ein Durchschlagen zu vermeiden
  5. Die Außentemperatur (Bei wärmerem Wetter ist die Temperatur und der Druck im Schlauch höher)
  6. Fahren auf weichem oder harten Boden (Fahrten auf hartem Boden sorgen für höhere Temperaturen  am Reifen und somit mehr Druck im Schlauch)

Ein gutes Luftdruckmessgerät gehört in jede Cross-Tasche

Genauso wie eine anständige Luftpumpe, gehört auch ein passendes Luftdruckmessgerät in jede Cross-Tasche bzw. Hänger oder Transporter. Im Grunde sollte der Luftdruck an beiden Reifen vor jeder Fahrt kontrolliert und eingestellt werden. Wenn deine Motocross nur eine Woche in der Garage steht, verlieren die Reifen in der Regel ca. 0,1 bar.

Wenn man also Wochenende für Wochenende sein Bike einpackt und auf der Cross-Strecke unterwegs ist und sich wundert, dass das Bike sich immer anders anfühlt, wird es mit größter Sicherheit am Luftdruck liegen.

Zum messen des Luftdruckes gibt es unterschiedliche Prüfgeräte. Da geht es bereits bei 10 EUR los und endet irgendwo bei 150 EUR. Warum es so große Preisspannen gibt liegt auf der Hand. Nur hochwertige Prüfgeräte sind in allen Luftdruckbereichen genau und geeicht.

Ich kann den Mittelweg empfehlen. Zwischen 30-40 EUR bekommt man schon brauchbare Luftdruckprüfer, mit denen man arbeiten kann. Aber spart euch bitte den Billig-Schrott für unter 10 EUR, der bei jeder Messung einen anderen Luftdruck anzeigt.

Woran erkenne ich dass der Reifendruck zu hoch ist?

Ist der Reifen-Luftdruck an deiner Motocross zu hoch eingestellt, führt das unweigerlich dazu, dass du beim Beschleunigen einen Traktionsverlust bemerken wirst und sich das Hinterrad vor allem im lockeren Gelände schneller durchdrehen wird. Das Vorderrad neigt bei zu hohem Luftdruck und hartem, trockenem Boden schneller zum wegrutschen.

Ein zu hoher Luftdruck im Cross-Reifen kann aber auch zu einer Vielzahl von zusätzlichen Problemen führen, die das Fahrverhalten und den Fahrkomfort beeinträchtigen. So kann eine verringerte Haftung im Gelände dazu führen, dass der Bremsweg länger wird und die Kurvenstabilität sowie Spurtreue vermindert werden.

Zudem kann der zu hohe Luftdruck dazu führen, dass der mittlere Teil der Lauffläche schneller abnutzt und die Zug- und Bremsleistung verschlechtert wird. Insgesamt kann das Fahrverhalten deutlich beeinträchtigt werden, was sich auch auf den Fahrkomfort auswirken kann. Daher ist es wichtig, den Luftdruck im Cross-Reifen regelmäßig zu kontrollieren und anzupassen, um ein sicheres und angenehmes Fahrerlebnis zu gewährleisten.

Woran erkenne ich dass der Reifendruck zu niedrig ist?

Ist der Reifendruck an deiner Motocross zu niedrig, wirst du mit Sicherheit vor allem in den Kurven ein recht instabiles Fahrverhalten wahrnehmen. Das Vorderrad reagiert bockig und weigert sich, in der Kurve zu bleiben und die Spur zu halten.

Bevor du in solch einem Fall anfängst am Fahrwerk zu justieren und die Druck- oder Zugstufe zu verändern, solltest du im Vorfeld immer nach dem Luftdruck im Reifen schauen und diesen in solch einem Fall etwas erhöhen.

Ein zu niedriger Luftdruck im Cross-Reifen kann aber auch zu einer Vielzahl von weiteren Problemen führen, die sich negativ auf die Fahrsicherheit und das Fahrverhalten auswirken. Eine verminderte Haftung im Gelände kann zu einem längeren Bremsweg, einer schlechteren Kurvenlage und einem erhöhten Unfallrisiko führen.

Darüber hinaus kann ein zu niedriger Druck die Walkarbeit des Reifens erhöhen, was zu einer Überhitzung, einer schnelleren Abnutzung oder einer Beschädigung der Reifenstruktur führen kann. Auch der Rollwiderstand des Reifens wird durch einen zu niedrigen Druck erhöht, was sich wiederum auf den Kraftstoffverbrauch und die Leistung des Fahrzeugs auswirkt.

Eine durch zu niedrigen Luftdruck veränderte Fahrzeuggeometrie kann zu einer Beeinträchtigung des Fahrverhaltens und des Fahrkomforts führen. Nicht zuletzt erhöht ein zu niedriger Druck das Risiko eines Reifenplatzers oder eines Wulstabdrückens und kann sogar die Felge oder das Ventil beschädigen.

Auch wenn sich deine Ventile am Reifen schief stellen und der Reifen trotz Reifenspanner anfängt auf der Felge zu wandern, ist dies ein klares Zeichen für zu niedrigen Luftdruck für deinen aktuellen Einsatzzweck.

Welcher Reifendruck ist für Motocross geeignet?

Ein gängiger Luftdruck auf Motocross- und Offroadpisten liegt meist im Bereich von 0,8 bar (12 PSI) – 1,0 bar (15 PSI). Wobei der Untergrund und der verwendete Reifentyp dabei eine große Rolle spielt. Deshalb solltest du dir auch die Hersteller-Empfehlung auf der Reifenkarkasse anschauen.

Als Beispiel erfordert ein Motocross-Reifen, welcher für weichere Böden ausgelegt ist, weiter auseinander liegenden Stollen aufweist und über eine an sich weiche Gummimischung verfügt, einen Reifen-Luftdruck im oberen Bereich, um sich besser in den Boden graben zu können.

Ein Cross-Reifen der hingegen für härtere Böden ausgelegt ist, enger zusammenliegende Stollen aufweist und über eine harte Gummimischung  verfügt, benötigt auch einen höheren Luftdruck.

Möchtest du den gleichen Reifen aber im weichen Schlamm verwenden, solltest du den Luftdruck im Reifen senken. Denn ein niedrigerer Luftdruck optimiert die Bewegung des Reifens und hilft somit die Laufflächen vom Schlamm zu befreien.

Welcher Reifendruck ist für Enduro geeignet?

Beim Enduro fahren wird immer viel Traktion benötigt. Steile Auffahrten, loser und glitschiger Boden, Nässe und felsige Untergründe wären mit ordentlich aufgepumpten Reifen nahezu unmöglich zu befahren. Mit einem niedrigen Luftdruck in den Reifen wird die Kontaktfläche zwischen Untergrund und Reifen vergrößert und sorgt somit für deutlich mehr Traktion.

Allerdings haben niedrige Reifendrücke auch ihre Nachteile. Der Schlauch kann verrutschen oder eingeklemmt werden, was zu einem Plattfuß führt. Im Extremfall können Schläge und Stoße bis zur Felge durchschlagen und diese beschädigen.

Deshalb gilt es immer einen geeigneten Luftdruck für das zu befahrende Gelände zu wählen,  mindestens Heavy-Duty-Schläuche mit einer Mindeststärke von 3-4mm zu verbauen und ordentliche Reifenhalter zu verwenden.

Unter extrem glitschigen Bedingungen kann man beim Enduro fahren den Luftdruck auf bis zu 0,5 bar (6 PSI) herabsenken. Solch ein niedriger Luftdruck wird allerdings nur bei sehr langsamen Fahrten empfohlen, da die Gefahr einer Beschädigung von Schlauch und Felge recht groß ist.

Ab einer Geschwindigkeit von etwa 25 km/h sollte man den Luftdruck auf mindestens 0,55 bar (8 PSI) bis ca. 0,7 bar (10 PSI) erhöhen.

Fazit

Den passenden Luftdruck zu finden ist gar nicht so einfach und kann häufig nur über die altbekannte Trial and Error-Methode ermittelt werden. Hilfreich ist es in jedem Fall sich in einem kleinen Büchlein die eine oder andere Notiz zu Strecke, Strecken-Verhältnissen und Reifen zu machen. Auf Dauer spart das enorme Zeit und sorgt für den nötigen Vortrieb samt Traktion.

Die golden Mitte liegt ja nun bekanntlich bei 0,8 bar (12 PSI). Starte von diesem Punkt an und arbeite dich anhand der hier aufgeführten Tipps zum Luftdruck an deiner Motocross entweder herauf oder runter.

Versuche dabei geduldig zu sein und du wirst erstaunt sein, welchen Unterschied der richtige Luftdruck ausmacht macht und sich auf dein Fahrkönnen und Schnelligkeit auswirkt.


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