Motocross-Ventil steht schief: Hauptursache für gefährliche Reifenplatzer

Hast du in letzter Zeit des Öfteren mal einen Platten oder gefährlichen Reifenplatzer an deiner Motocross? Ist dir aufgefallen, dass ein Ventil deines MX-Reifens schief im Ventilloch deiner Felge steht? Dann solltest du weiterlesen und zügig handeln, um einen gefährlichen Reifenplatzer in Mitten deiner nächsten Fahrt zu vermeiden.

Aus gegebenem Anlass und der daraus resultierenden Gefahr, wollte ich gerne mal auf schief stehende und abreißende Ventile bei Motocross-Bikes eingehen. Nachdem mir eines Mittwochs beim Training, nach einem Sprung über einen kleinen Table, plötzlich das Vorderrad platzte, konnte ich mein Bike noch mit Mühe und Not abfangen, bin aber zu guter Letzt abseits der Piste in einem Dornenbusch gelandet. Glück im Unglück!

Sowas war mir bis dahin das erste Mal passiert, aber es sollte auch nicht das letzte Mal gewesen sein. Da ich zu diesem Zeitpunkt Werkstatt-technisch nicht besonders gut ausgestattet war und bereits drei Tage später wieder ein Training anstand, habe ich einen Reserveschlauch und das Vorderrad meiner Husqvarna eingepackt und bin zu einem Reifenhändler um die Ecke gefahren, damit mir dieser flott den neuen Schlauch montiert und es weitergehen konnte.

Das hat auch gut und schnell funktioniert, bis auf die Tatsache, dass die Werkstatt 3 Bar Luftdruck reingepumpt hatte.

Problem behoben, also ab auf die Strecke, oder?

Samstag ging es dann wieder auf die Cross-Strecke. Kurioserweise platzte mir nach ein paar Runden wieder der Vorderreifen mit einem Knall und zwar genau hinter dem gleichen Table wie drei Tage zuvor. Diesmal habe ich es geschafft das Bike ausrollen zu lassen, ohne dass es zu einem Sturz kam, aber irgendwie habe ich den Glauben an die Technik und das Material verloren.

Es konnte doch nicht sein, dass mir in 3 Tagen zwei Mal der Vorderreifen platzte. So ein Pech war doch schon sehr ungewöhnlich. Also habe ich wieder neue Schläuche bestellt….diesmal Heavy-Duty und direkt 3 Stück, dann das Vorderrad ab und nochmal los zum Reifenhändler um die Ecke.

Als der Reifen abholbereit war, habe ich ihn mir diesmal im Anschluss etwas genauer angeschaut.

Was war der Grund für die häufigen Reifen-Platzer und Plattfüße?

Was war der Grund für die häufigen Reifen-Platzer und Plattfüße?

Auffällig bei den Platten am Vorderrad war immer, dass das Ventil abgerissen war oder ein Riss im Ventilbereich entstanden war. Zunächst dachte ich, dass der Reifenhändler den Reifenhalter nicht fest genug angezogen hatte, der Reifen somit angefangen hatte auf der Felge zu wandern und so das Ventil abgerissen war.


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Allerding saß der Reifenhalter perfekt und war auch richtig ordentlich fest montiert. Auffällig war aber, dass der Monteur richtig viel Montagepaste verwendet hatte. Er hatte sich noch beklagt, dass der Reifen sehr schwer auf die Felge ging. Das Problem kannte ich aber, da ich zu dem Zeitpunkt den Enduro-Reifen Hulkyboy von X-Grip montiert hatte. Dieser ist wirklich recht klein ausgefallen und man muss schon richtig arbeiten, um ihn auf die Felge zu bekommen.

War also die Montagepaste der Übeltäter, weshalb sich der Reifen auf der Felge verdreht hatte und es so zum Ventilabriss kam?

Der Grund war ein anderer: Das Ventil stand schief und wurde mit der Kontermutter geradegezogen

Intuitiv habe ich noch die Ventilmutter abgedreht und da traf mich dann der Schlag. Das Ventil stand komplett schräg im Ventilloch und wurde lediglich mit der Kontermutter gerade gezogen!

In Kombination mit viel zu viel Montagepaste hatte ich dann den Übeltäter wohl enttarnt. So brauchte der Reifen nur noch minimal abzuwandern und schon ist das Ventil abgerissen….da führte kein Weg dran vorbei. Kleine Ursache mit einer großen und sehr gefährlichen Wirkung.

Da ich ab diesem Moment dem Reifenhändler den Rücken gekehrt hatte und mich bei solchen Arbeiten nicht mehr auf Andere verlassen wollte, habe ich mir ein paar Montiereisen* und Montagepaste* bestellt und bin die Sache dann mal selbst angegangen.

MX-Schlauch so montieren, dass das Ventil perfekt gerade steht!

Zuerst die Luft vollständig ablassen. Am besten mit einem Ventildreher* den Ventileinsatz herausdrehen oder alternativ die Luft auf herkömmliche Weise raus lassen, indem man den Ventil-Pin solange reindrückt, bis keine Luft mehr im Reifen ist.

Anschließend den Reifenhalter lösen, mit mindestens zwei Montiereisen* den Reifen auf einer Seite von der Felge hebeln und den Schlauch soweit verschieben, bis das Ventil absolut gerade im Ventilloch steht!

Dann den Reifen wieder auf die Felge hebeln und immer wieder den Sitz des Ventils im Ventilloch kontrollieren. Wenn sich nichts verschoben hat, was durchaus gerne mal passiert, den Reifen aufpumpen und den Reifenhalter ordentlich festschrauben.

Wenn man den Vorgang ohne Montierpaste hinbekommt, dann ist es sehr gut. Falls es nicht anders geht, die Montierpaste mit Bedacht aufbringen und dem Ganzen mindestens einen Tag Zeit geben um sich zu verflüchtigen bzw. auszutrocknen, bevor man wieder fahren geht.

Ventilloch aufbohren bringt ein wenig mehr Spielraum

Um zumindest im Fall der Fälle nicht mit einem abgerissenen Ventil zu stürzen, kann man das Ventilloch in der MX-Felge auch ein wenig erweitern. Dazu kann man das Loch mit einem 10-12mm Metallbohrer aufbohren und den Grat mit einer Feile beseitigen.

Da die meisten Schläuche noch eine abgerundete Unterlegscheibe auf dem Ventil sitzen haben, schließt diese dennoch recht gut mit der Felge ab und verhindert das Eindringen von Schmutz und Wasser ins Felgeninnere.

Dies ist vielleicht nicht die feine englische Art, aber dafür eine gut funktionierende Möglichkeit den Abriss eines Ventils zu vereiteln und nachdem was mir da in dieser besagten Woche passiert ist, definitiv eine gute Option.

Die letzte Möglichkeit wäre ein zweiter Reifenhalter gewesen, aber da muss man auch ein zweites Loch bohren und hat noch mehr rotierendes Gewicht. Zudem wäre das meiner Meinung nach beim Vorderrad ein wenig „overdosed“.

Mythos Ventilmutter – An Felge oder Ventilkappe kontern?

Mythos Ventilmutter – An Felge oder Ventilkappe kontern?

Und zum Schluss kommt das meiner Meinung nach Wichtigste an dem gesamten Vorhaben.

Wenn alles wieder fertig montiert ist, solltest du darauf achten, die Ventilmutter NICHT gegen die Felge zu Schrauben, sondern diese einfach entsorgen, aufzubewahren  oder einfach entgegengesetzt gegen die Ventilkappe zu schrauben.

Auch hier gibt es 1000 verschiedene Meinungen, aber wenn man mal darüber nachdenkt, kommt man drauf: Beim Motocross und Enduro fährt man verhältnismäßig niedrige Reifendrücke bis max. 1 Bar. Beim Bremsen und Beschleunigen ist es auch trotz Reifenhalter immer mal möglich, dass der Reifen ein wenig auf der Felge wandert.


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Schraubt man die Ventilmutter nun gegen die Felge, ist es nur eine Frage der Zeit bis das Ventil abreißt. Eine andere Option gibt es auch kaum.

Die Ventilmutter ist lediglich zur Montage eines neuen Schlauches gedacht. Und zwar nur dazu, damit der Schlauch bevor er aufgepumpt, wird nicht in den Reifen rutscht. Eine andere Funktion hat diese Mutter wirklich nicht.

Für alle Skeptiker hier noch zum Beweis in Auszug einer Montageanleitung von Heidenau-Schläuchen im Zweiradbereich:

„Tipp aus der Praxis: Stecken Sie das Ventil des Luftschlauches (inkl. der Unterlegscheibe als zusätzlichen mechanischen Schutz) von Außen nach Innen durch das Felgenloch und sichern Sie das Ventil mit der mitgelieferten 6-Kant-Mutter. So verhindern Sie ein Zurückrutschen des Ventils in den Reifen.“ …

 „Drehen Sie nach der Montage die 6-Kant-Mutter in Richtung Felge fest, allerdings sollte der Ventilkörper noch ein leichtes Spiel besitzen. Bei extremen Anwendungen (z.B. Motocross), ist die Mutter mit der Ventilkappe zu kontern, da die Gefahr besteht, dass im Falle eines Weiterdrehens des Reifens das Ventil abreißt.

Fazit

Ich kenne viele MX-Fahrer die mit wandernden Reifen auf der Felge nie wirklich Probleme hatten und im Grunde nie einen Platten haben. Vermutlich wissen diese was sie tun, wenn es darum geht Reifen und Schläuche zu wechseln. Ist man allerdings Anfänger in dem Bereich, achtet man vielleicht nicht unbedingt auf solche „Kleinigkeiten“ die im Anschluss zu großen Problemen führen können.

Oder der Reifen landet bei einem unwissenden Reifenhändler, der als Profi den gleichen Fehler begeht wie ein Anfänger. Somit kann man nur raten sich selbst mit ein wenig Zeit an solche Reparaturen bzw. Wartungsarbeiten zu begeben und die Augen auch für Details offen zu halten


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