Millionengehälter, sechsstellige Siegprämien und große Sponsorenverträge auf der einen Seite – Fahrer, die trotz WM-Niveau kaum Geld verdienen oder im schlimmsten Fall sogar eigenes Budget mitbringen müssen, auf der anderen. Kaum ein Thema im professionellen Motocross ist für Außenstehende so schwer einzuschätzen wie das tatsächliche Einkommen der Fahrer.
Das liegt vor allem daran, dass ein Motocross-Profi normalerweise nicht einfach ein festes Gehalt erhält und damit die Rechnung erledigt ist. Bei erfolgreichen Werksfahrern können Grundgehalt, Sieg- und Meisterschaftsboni, persönliche Sponsorenverträge und offizielles Preisgeld gleichzeitig zusammenkommen. Zusätzlich übernimmt das Team häufig einen erheblichen Teil der Kosten für Motorräder, Motoren, Fahrwerk, Mechaniker, Ersatzteile, Reisen und den gesamten Rennbetrieb.
Entsprechend groß ist die Spannweite. Für einen aktuellen 450er-Topfahrer mit realistischer Chance auf Rennsiege oder eine Meisterschaft nennt Racer-X-Redakteur Jason Weigandt eine Größenordnung von mehr als einer Million bis ungefähr 2,5 Millionen US-Dollar Jahresgehalt – noch bevor Siegprämien und persönliche Sponsoren hinzukommen.[1] Gleichzeitig gibt es selbst auf WM-Niveau Fahrer, die schon in Situationen geraten sind, in denen sie keinen klassischen Werkslohn mehr bekommen oder sogar eigenes Budget benötigt hätten, um weiterzufahren.[8][9]
Die Frage „Wie viel verdient ein professioneller Motocrossfahrer?“ lässt sich deshalb nicht mit einem einzigen Durchschnittsgehalt beantworten. Dafür unterscheiden sich die wirtschaftlichen Voraussetzungen eines Privateers, eines normalen Werksfahrers und eines internationalen Superstars viel zu stark. Trotzdem gibt es inzwischen genügend öffentlich nachvollziehbare Zahlen und Aussagen aus dem Fahrerlager, um zumindest realistische Größenordnungen zu zeigen.
Wie viel verdient ein Motocross-Profi?
Schon innerhalb eines einzigen professionellen Fahrerfeldes können die Unterschiede enorm sein. Zwei Fahrer stehen beim gleichen Rennen am Startgatter und kämpfen um dieselben Punkte, während ihre finanzielle Situation kaum vergleichbar ist.
Ein etablierter Werksfahrer erhält möglicherweise ein hohes festes Gehalt, hat mehrere Renn- und Trainingsmotorräder zur Verfügung und bekommt Motoren, Fahrwerk, Ersatzteile, Mechaniker und einen großen Teil seiner Reisen vom Team bezahlt. Ein Fahrer eines kleineren Teams kann dagegen zwar ebenfalls Unterstützung und Sponsoren besitzen, muss aber Teile seines Rennbetriebs selbst finanzieren. Beim Privateer verschiebt sich diese Rechnung noch weiter.
Pauschale Aussagen wie „Ein Motocross-Profi verdient durchschnittlich 80.000 Euro im Jahr“ sind deshalb kaum sinnvoll, solange nicht definiert wird, welche Fahrer damit überhaupt gemeint sind.
Für die absolute Spitze gibt es dagegen eine interessante aktuelle Einschätzung. Jason Weigandt, Editorial Director bei Racer X und seit vielen Jahren tief im US-Fahrerlager verankert, schrieb 2025 über den Fahrermarkt, dass ein Topfahrer der 450er-Klasse, der Rennen oder eine Meisterschaft gewinnen kann, oberhalb der Millionengrenze beginnt und je nach Fahrer ungefähr bis 2,5 Millionen US-Dollar Jahresgehalt erreichen kann.[1]
Wichtig ist die Einordnung: Weigandt sagt ausdrücklich, dass er die konkreten Verträge nicht kennt. Die Zahl ist also keine offizielle Gehaltstabelle, sondern eine aktuelle Branchen-Einschätzung zur Größenordnung von Spitzenverträgen. Trotzdem ist sie wesentlich aussagekräftiger als irgendwelche vermeintlich exakten Beträge auf dubiosen „Net-Worth“-Seiten.
Und mit diesem Grundgehalt ist die Rechnung bei einem wirklich erfolgreichen Fahrer noch längst nicht beendet.
Siegprämien und Meisterschaftsboni: Hier wird richtig verdient
Ein großer Teil des Verdienstpotenzials an der Spitze steckt in leistungsabhängigen Bonuszahlungen. Wer nicht nur einen guten Vertrag besitzt, sondern tatsächlich Rennen gewinnt und Meisterschaften holt, kann sein Jahreseinkommen erheblich steigern.
Nach Weigandts Einschätzung zahlt ein Factory-Team für einen Supercross-Sieg normalerweise mehr als 100.000 US-Dollar Bonus. Bei einzelnen Vertragsverhandlungen seien sogar Beträge um 175.000 Dollar pro Supercross-Siegim Gespräch gewesen. Für einen Sieg bei einem AMA Pro Motocross National nennt er eine Größenordnung von ungefähr 100.000 Dollar, während Meisterschaftsboni für einen erfolgreichen 450er-Fahrer allgemein eine Million Dollar oder mehr erreichen können.[1]
Damit wird schnell deutlich, warum zwischen einem gut bezahlten Werksfahrer und einem echten Titelkandidaten wirtschaftlich noch einmal Welten liegen können. Wer fünf Rennen gewinnt, löst möglicherweise bei jedem Erfolg einen sechsstelligen Bonus aus. Holt derselbe Fahrer anschließend die Meisterschaft, kann noch eine weitere Million oder mehr hinzukommen.
Dazu können wiederum persönliche Sponsoren eigene Bonusvereinbarungen besitzen. Ein Rennsieg kann deshalb mehrere Zahlungen gleichzeitig auslösen, während das eigentliche Grundgehalt völlig unverändert bleibt.
Gehalt, Bonuszahlungen, Preisgeld und Jahreseinkommen sind daher nicht dasselbe. Genau diese Unterscheidung ist entscheidend, wenn man verstehen möchte, was ein Motocross-Profi tatsächlich verdienen kann.
Was kann ein absoluter Topfahrer in einer Saison verdienen?
Einen seltenen Einblick in diese Rechnung gab Ex-Profi Phil Nicoletti 2022 in seiner Racer-X-Kolumne. Ein Leser wollte wissen, welche Summen bei einem Fahrer an der absoluten Spitze – konkret Eli Tomac – zusammenkommen könnten.
Nicoletti machte dabei sehr deutlich, dass er keine vertraulichen Verträge vorliegen hat. Seine Zahlen seien keine bestätigten Vertragsdaten, lägen seiner Erfahrung aus dem Fahrerlager nach aber ungefähr in der richtigen Größenordnung.
Für Tomac schätzte Nicoletti damals:
- 1 bis 1,5 Mio. US-Dollar Grundgehalt von Yamaha
- 1 Mio. Dollar Bonus für den Supercross-Titel
- 750.000 bis 1 Mio. Dollar Bonus für den Motocross-Titel
- ungefähr 450.000 Dollar aus dem Monster-Energy-Vertrag
- ungefähr 75.000 Dollar für den Bekleidungsvertrag mit Alpinestars
- ungefähr 100.000 Dollar aus dem Oakley-Vertrag
- ungefähr 120.000 Dollar pro Rennsieg, wenn die verschiedenen Bonuszahlungen zusammengerechnet werden.[2]
Nicoletti ergänzte, dass die gesamte Bonuszahlung für einen einzelnen Sieg bei manchen Verträgen sogar in Richtung 150.000 Dollar gehen könne.[2]
Das Beispiel zeigt sehr anschaulich, wie schnell bei einem dominanten Fahrer mehrere Millionen Dollar in einer Saison zusammenkommen können. Das große Geld entsteht nicht durch einen einzelnen Posten, sondern aus einer Kombination aus Grundgehalt, Rennsiegen, Meisterschaftsprämien und persönlichen Sponsorendeals.
Es zeigt allerdings ebenso, warum man solche Zahlen sauber kennzeichnen muss: Die Tomac-Aufstellung ist eine Insider-Schätzung eines damaligen Profifahrers, keine veröffentlichte Gehaltsabrechnung von Yamaha.
Jeffrey Herlings: Rund 4,5 Millionen in einer Saison
Bei Jeffrey Herlings ist die Quellenlage noch interessanter, denn hier stammt die konkrete Zahl direkt vom Fahrer selbst.
Herlings sprach 2023 über seine außergewöhnliche MXGP-Saison 2018 und erklärte, dass er in diesem Jahr ungefähr 4,5 Millionen inklusive Boni und Sponsorenverträgen verdient habe. Ob es am Ende 4,4 oder 4,6 Millionen gewesen seien, sei für ihn nicht entscheidend gewesen – die Größenordnung liege bei rund 4,5 Millionen.[3]
Das war nach seiner eigenen Aussage das finanzielle Maximum, das für ihn zu diesem Zeitpunkt in der MXGP erreichbar war.
Die Zahl ist deshalb besonders wertvoll, weil sie keine Hochrechnung eines Internetportals darstellt. Ein Fahrer an der absoluten Weltspitze hat selbst öffentlich gesagt, dass sein Gesamteinkommen in einer außergewöhnlich erfolgreichen MXGP-Saison bei ungefähr 4,5 Millionen lag.
Herlings schätzte im gleichen Gespräch, dass das Verdienstpotenzial in den USA noch größer sei. Ein dort dominierender Spitzenfahrer könne seiner Einschätzung nach 6 bis 8 Millionen im Jahr erreichen.[3] Das ist wiederum Herlings‘ persönliche Einschätzung des amerikanischen Marktes und keine veröffentlichte Vertragsstatistik.
Dass die Gehälter in der MXGP inzwischen selbst auf Herstellerseite kritisch gesehen werden, zeigt zusätzlich eine Aussage von KTM-Motorsportchef Pit Beirer aus dem Jahr 2025. Der Wettbewerb insbesondere zwischen KTM und Honda um Fahrer wie Jeffrey Herlings und Tim Gajser habe die Gehälter laut Beirer in „Sphären“ getrieben, in denen sie nicht mehr gesund seien; der Markt werde inzwischen wieder etwas korrigiert.[10]
Mehrere Millionen für absolute Spitzenfahrer sind im Motocross also keineswegs nur eine theoretische Internetfantasie.
Wie viel verdient Ken Roczen?
Ken Roczen ist für deutsche Fans natürlich besonders interessant. Sein aktuelles vollständiges Vertragspaket ist öffentlich nicht bekannt, trotzdem gibt es einige konkrete Anhaltspunkte, die seine wirtschaftliche Größenordnung verständlicher machen.
Motocross Action berichtete Ende 2022 im Zusammenhang mit Roczens damaliger Teamsuche, dass er zu diesem Zeitpunkt als Red-Bull-Athlet einen siebenstelligen Vertrag mit dem Energy-Drink-Hersteller besaß.[4] Der persönliche Sponsorendeal war sogar relevant für seine Teamwahl, weil Mannschaften mit konkurrierenden Getränkemarken als Sponsor nicht ohne Weiteres mit seinem Red-Bull-Vertrag vereinbar waren.
Dabei ist das Datum entscheidend: Diese Information stammt aus dem Jahr 2022 und beschreibt nicht Roczens heutigen Red-Bull-Vertrag. Sie zeigt jedoch eindrucksvoll, welche Größenordnung schon ein einzelner persönlicher Sponsor bei einem Fahrer seines Bekanntheitsgrades erreichen kann.
Sportlich gehört Roczen inzwischen eindeutig zur absoluten Spitze des US-Sports. Am 9. Mai 2026 gewann er erstmals die 450er-Supercross-Meisterschaft. Er beendete die Saison mit fünf Siegen und zwölf Podiumsplatzierungen und setzte sich am Ende mit lediglich drei Punkten Vorsprung gegen Hunter Lawrence durch.[5]
Damit gehört Roczen sportlich genau in jene Kategorie der sieg- und titelfähigen 450er-Fahrer, für die Racer X aktuell eine Größenordnung von mehr als einer Million bis ungefähr 2,5 Millionen Dollar Jahresgehalt beschreibt.[1]
Das bedeutet nicht, dass Roczen aktuell genau 1,8, 2 oder 2,5 Millionen Dollar Grundgehalt erhält. Sein tatsächlicher Vertrag ist nicht öffentlich bekannt. Die Zahlen zeigen aber, in welchem wirtschaftlichen Marktsegment sich ein Fahrer seines sportlichen Kalibers bewegt.
Wenn bei einem aktuellen 450er-Champion zusätzlich Teamgehalt, fünf Rennsiege, mögliche Titelprämien und persönliche Sponsorengelder zusammenkommen, ist ein Jahreseinkommen von mehreren Millionen grundsätzlich plausibel. Eine Behauptung wie „Ken Roczen verdient exakt 3,4 Millionen Dollar“ wäre dagegen ohne konkrete Vertragsdaten nicht seriös.
Wie hoch ist das offizielle Preisgeld im SuperMotocross?
Beim Thema Fahrergehälter wird das offizielle Preisgeld häufig mit dem gesamten Einkommen verwechselt. Gerade bei absoluten Spitzenfahrern ist es jedoch nur einer von mehreren Bausteinen.
SuperMotocross nennt offiziell eine Gesamt-Purse von 10 Millionen US-Dollar über die gesamte Saison. Davon entfallen 5,5 Millionen Dollar auf die Playoff-Runden. Für den Champion der 450er-Klasse sind 1 Million Dollar, für den Champion der 250er-Klasse 500.000 Dollar vorgesehen.[6]
Das sind enorme Summen, aber man muss genau lesen, worum es sich handelt. Die Million für den 450er-Champion ist eine Meisterschaftsausschüttung der SuperMotocross-Serie. Sie ist nicht das Grundgehalt des Fahrers und ersetzt weder Teamvertrag noch persönliche Sponsoren.
Interessant ist deshalb der Vergleich mit der normalen Supercross-Purse.
Warum die Renn-Purse allein wenig über das Gehalt verrät
Für die Supercross-Saison 2025 wurde keine vollständige offizielle Auszahlungstabelle veröffentlicht. Das Fachmedium We Went Fast hat deshalb die Purse der Fahrer auf Basis der bekannten Auszahlungsstruktur von 2024 geschätzt und weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich um Schätzwerte handelt.[7]
Nach dieser Berechnung kam Champion Cooper Webb über 17 Rennwochenenden einschließlich eines 100.000-Dollar-Meisterschaftsbonus auf insgesamt ungefähr 234.750 US-Dollar Purse. Ken Roczen wurde bei 15 Starts mit ungefähr 76.700 Dollar geführt.[7]
Diese Zahlen wirken zunächst fast überraschend niedrig, wenn gleichzeitig über Millionenverdienste gesprochen wird. Genau darin liegt aber der entscheidende Punkt:
76.700 Dollar geschätzte Renn-Purse sind nicht Ken Roczens Jahresgehalt.
Teamvertrag, Factory-Siegprämien, persönliche Sponsorendeals und andere Einnahmen sind darin nicht enthalten. Ein Spitzenfahrer kann deshalb über die Rennserie selbst einen vergleichsweise kleinen sechsstelligen Betrag erhalten und insgesamt trotzdem mehrere Millionen verdienen.
Das offizielle Preisgeld erzählt also nur einen kleinen Teil der Geschichte.
Was verdient ein Motocross-Profi pro Rennsieg?
Auch bei einem Rennsieg können verschiedene Zahlungen parallel zusammenkommen.
Zunächst kann die Rennserie ein offizielles Preisgeld ausschütten. Zusätzlich kann der Vertrag zwischen Fahrer und Hersteller einen leistungsabhängigen Siegbonus enthalten. Persönliche Sponsoren können ebenfalls Prämien für Siege oder Meisterschaften vereinbart haben.
Für einen 450er-Topfahrer nennt Racer X allein auf Factory-Seite mehr als 100.000 US-Dollar Bonus für einen Supercross-Sieg, teilweise sollen Fahrer bei Vertragsverhandlungen inzwischen ungefähr 175.000 Dollar pro Sieganstreben. Für einen Pro-Motocross-National-Sieg liegt die genannte Größenordnung bei etwa 100.000 Dollar.[1]
Phil Nicolettis Tomac-Beispiel kommt aus Sicht eines damaligen Fahrers auf ungefähr 120.000 Dollar pro Sieg „all in“, wobei je nach Vertrag auch bis zu etwa 150.000 Dollar möglich seien.[2]
Schon ein einzelner Sieg kann einem Star damit einen sechsstelligen Zusatzverdienst bescheren. Wer über eine Saison fünf, sechs oder noch mehr Rennen gewinnt, versteht schnell, warum Erfolgsboni einen großen Teil des Jahreseinkommens ausmachen können.
Werksfahrer und Privateer: finanziell zwei verschiedene Welten
Der wichtigste Unterschied zwischen professionellen Fahrern liegt möglicherweise gar nicht ausschließlich im Gehalt, sondern in einer anderen Frage:
Wer bezahlt den Rennbetrieb?
Ein großer Factory-Rider bekommt nicht einfach nur ein Motorrad und einen Gehaltsscheck. Hinter ihm stehen Renn- und Trainingsmotorräder, Motoren, Fahrwerk, Ersatzteile, Mechaniker, technische Entwicklung, Tests, Transport und eine professionelle Rennlogistik.
Weigandt schätzt, dass die vollständige Factory-Unterstützung eines Spitzenfahrers zusätzlich zum eigentlichen Gehalt ungefähr eine halbe Million Dollar Teamkosten pro Jahr verursachen kann.[1]
Für den Fahrer ist diese Unterstützung wirtschaftlich enorm wertvoll, obwohl die halbe Million niemals auf seinem Konto erscheint.
Beim Privateer sieht die Rechnung völlig anders aus. Er kann sportlich auf professionellem Niveau unterwegs sein und im selben Rennen gegen einen hoch bezahlten Werksfahrer antreten, muss aber möglicherweise Motorrad, Motor, Fahrwerk, Reifen, Mechaniker, Transport, Hotels und Reisen teilweise oder vollständig selbst finanzieren.
Wenn ein solcher Fahrer 50.000 Dollar an Sponsoring und Preisgeld einnimmt, bedeutet das nicht automatisch, dass er 50.000 Dollar verdient hat. Möglicherweise fließt ein großer Teil direkt wieder in seine Saison.
Von außen stehen zwei Fahrer nebeneinander am Startgatter. Wirtschaftlich können sie trotzdem praktisch zwei verschiedene Sportarten betreiben.
Max Nagl: Weltklasse – und trotzdem kein Gehalt?
Ein besonders anschauliches deutsches Gegenbeispiel zu den Millionengehältern liefert Max Nagl.
Nagl war über viele Jahre einer der erfolgreichsten deutschen Motocrossfahrer und gehörte international zur Spitze. Trotzdem geriet er 2017 nach dem Auslaufen seines Husqvarna-Vertrags in eine völlig andere finanzielle Situation.
Er erklärte damals selbst gegenüber SPEEDWEEK, dass bei den noch verfügbaren WM-Plätzen teilweise Geld mitgebracht werden musste. Er verhandle sogar mit einem Team, bei dem er zwar weiter Weltmeisterschaft fahren könne, aber nichts verdienen würde.[8]
Das spätere Engagement bei TM zeigt den Unterschied zwischen sportlichem Niveau und wirtschaftlicher Absicherung noch deutlicher. SPEEDWEEK berichtete 2018, dass TM Motorrad, Material und Teamstruktur bereitstellte, Nagl jedoch sein eigenes Gehalt und das Reisebudget über persönliche Sponsoren abdecken musste.[9]
Das ist bemerkenswert, weil wir hier nicht über einen Hobbyfahrer oder unbekannten Privateer sprechen, sondern über einen Fahrer mit jahrelanger erfolgreicher WM-Karriere.
Motocross auf Weltklasse-Niveau zu fahren bedeutet also selbst bei einem prominenten Fahrer nicht automatisch, zu jedem Zeitpunkt ein hohes Werksgehalt zu bekommen.
USA oder MXGP: Wo lässt sich mehr verdienen?
Die finanziellen Möglichkeiten an der absoluten Spitze scheinen im amerikanischen Supercross- und Pro-Motocross-System besonders groß zu sein. Das liegt nicht nur am Grundgehalt, sondern vor allem an der Kombination aus vielen Rennen, hohen Siegboni, Meisterschaftsprämien und einem starken Sponsoringmarkt.
Jeffrey Herlings bezeichnete seine rund 4,5 Millionen Gesamteinkommen 2018 als das damalige Maximum für ihn in der MXGP und schätzte gleichzeitig, dass ein dominanter US-Fahrer 6 bis 8 Millionen im Jahr erreichen könne.[3]
Das bedeutet allerdings nicht, dass die MXGP finanziell unbedeutend wäre. Pit Beirers Aussage aus dem Jahr 2025 zeigt vielmehr, dass der Konkurrenzkampf um absolute Spitzenfahrer die Gehälter auch in der Weltmeisterschaft auf ein Niveau gebracht hat, das selbst der KTM-Motorsportchef für problematisch hielt.[10]
Eine einfache Gleichung wie „USA = Millionen, MXGP = kleines Geld“ wäre daher falsch. In beiden Welten können Topfahrer sehr hohe Einkommen erzielen. Das besonders hohe Verdienstpotenzial in den USA entsteht jedoch durch die Kombination aus wertvollen Teamverträgen, zahlreichen Siegprämien, Supercross, Pro Motocross und persönlichen Sponsorendeals.
Was verdient ein normaler Motocross-Profi?
Genau hier wird es wesentlich schwieriger, konkrete Zahlen zu nennen.
Für die absolute Spitze verfügen wir inzwischen über aktuelle Branchen-Einschätzungen, konkrete Beispiele aus dem Fahrerlager und sogar direkte Aussagen von Fahrern. Für die breite Mitte zwischen Superstar und Privateer existiert dagegen keine zuverlässige öffentliche Gehaltstabelle.
Es wäre deshalb wenig seriös, eine künstliche Staffelung wie
„Einsteiger 30.000 Euro – normaler Profi 80.000 Euro – Topfahrer 300.000 Euro“
zu veröffentlichen. Solche Zahlen sehen präzise aus, obwohl die dafür notwendigen Daten gar nicht öffentlich vorhanden sind.
Was sich anhand der Quellen wesentlich sinnvoller sagen lässt:
Ein absoluter 450er-Topfahrer mit Sieg- und Titelchance kann nach aktueller Racer-X-Einschätzung mehr als eine Million bis ungefähr 2,5 Millionen Dollar Grundgehalt erzielen.[1]
Darunter gibt es etablierte Werksfahrer, die professionell bezahlt werden und gleichzeitig einen erheblichen Teil ihres Rennbetriebs gestellt bekommen. Für diese Gruppe gibt es jedoch keine belastbare aktuelle Durchschnittszahl.
Und am anderen Ende stehen Privateer und Fahrer kleinerer Teams, bei denen Sponsoreneinnahmen und Preisgelder unter Umständen gerade ausreichen, um den Rennbetrieb zu finanzieren – oder eben nicht.
Zwischen mehreren Millionen Einkommen und einem Fahrer, der Geld für seinen WM-Platz mitbringen müsste, existiert im professionellen Motocross tatsächlich die komplette Bandbreite.
Wie wichtig sind Sponsoren für einen Motocross-Profi?
Für viele Fahrer sind Sponsoren ein zentraler Teil der wirtschaftlichen Grundlage. Dabei unterscheiden sich die Verträge allerdings genauso stark wie die Teamgehälter.
Im Nachwuchs- und Amateurbereich bedeutet Sponsoring häufig Material, Rabatte oder kostenlose Produkte. Ein Reifenhersteller stellt beispielsweise Reifen zur Verfügung, ein Bekleidungshersteller die Fahrerausrüstung oder ein Händler Ersatzteile zu besseren Konditionen. Das spart Geld, ist aber noch kein klassisches Einkommen.
Bei international bekannten Profis geht es dagegen um echte Werbeverträge mit teilweise enormem Wert.
Roczens damaliger Red-Bull-Vertrag zeigt das besonders gut: Laut Motocross Action erhielt er 2022 allein von diesem persönlichen Sponsor ein siebenstelliges Gehalt.[4]
Auch Nicolettis Tomac-Schätzung veranschaulicht die Größenordnung: Er setzte in seinem Beispiel rund 450.000 Dollar von Monster Energy, etwa 75.000 Dollar von Alpinestars und ungefähr 100.000 Dollar von Oakley an.[2]
Sportlicher Erfolg erhöht dabei wiederum den Wert eines Fahrers als Werbeträger. Siege bringen Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeit steigert Reichweite und Reichweite macht den Fahrer für Sponsoren wertvoller.
Gerade bei den großen Stars sind sportlicher und kommerzieller Erfolg deshalb eng miteinander verbunden.
Warum hohe Einnahmen nicht automatisch hohen Gewinn bedeuten
Wer selbst Motocross fährt, kennt zumindest die kleine Version dieser Rechnung. Mit dem Kauf des Motorrads ist es schließlich nicht getan. Reifen, Kraftstoff, Luftfilter, Öl, Ketten, Ritzel, Bremsbeläge, Fahrwerk, Verschleißteile, Streckengebühren, Schutzkleidung, Transport und Reparaturen verursachen ständig weitere Kosten.
Im Profisport wird diese Liste nicht kürzer, sondern wesentlich länger. Mehrere Motorräder, häufige Motorrevisionen, enorme Reifenmengen, Mechaniker, Reisen, Hotels, Training und Rennlogistik kosten über eine Saison sehr viel Geld.
Bei einem gut ausgestatteten Werksfahrer bezahlt das Team einen Großteil davon. Ein Privateer muss viele dieser Ausgaben dagegen aus seinen eigenen Sponsorengeldern und Preisgeldern finanzieren.
Dadurch können zwei Fahrer mit nominell ähnlichen Einnahmen am Ende völlig unterschiedlich dastehen.
Ein Fahrer, der 100.000 Euro erhält und daraus noch einen Großteil seines Rennbetriebs finanziert, kann wirtschaftlich schlechter gestellt sein als ein Fahrer mit 70.000 Euro Gehalt, dessen Motorräder, Technik, Reisen und Mechaniker vollständig vom Team bezahlt werden.
Entscheidend ist deshalb nicht nur, wie viel Geld hineinkommt, sondern auch, welche Kosten beim Fahrer selbst verbleiben.
Wer genauer wissen möchte, welche Kosten bereits beim normalen Hobby entstehen, findet dazu meine ausführliche Übersicht „Was kostet Motocross fahren?“.
Kann man in Deutschland vom Motocross leben?
Ja – aber nur ein kleiner Teil der Fahrer erreicht dauerhaft ein Niveau, bei dem der Rennsport gleichzeitig den Lebensunterhalt finanziert.
Eine Profilizenz oder die Teilnahme an hochklassigen Rennen macht aus einem Fahrer wirtschaftlich noch keinen Berufssportler. Gerade unterhalb der großen Werksteams setzt sich die Finanzierung häufig aus Teamunterstützung, persönlichen Sponsoren, Material, Preisgeld und zusätzlichen Einnahmen zusammen.
Das Beispiel Max Nagl zeigt, wie schnell sich diese Situation selbst bei einem international bekannten Fahrer verändern kann. Sportliche Qualität garantiert keinen dauerhaft gut bezahlten Platz.
Damit Motocross tatsächlich zum Beruf wird, müssen deshalb zwei Dinge gleichzeitig funktionieren: Der Rennbetrieb muss finanziert sein und zusätzlich muss genug Einkommen für den Lebensunterhalt des Fahrers übrig bleiben.
Erst dann bedeutet „professionell Motocross fahren“ auch finanziell, vom Motocross zu leben.
Wie viel verdient Ken Roczen aktuell?
Eine exakte aktuelle Zahl ist öffentlich nicht bekannt. Was wir wissen: Roczen besitzt seit Jahren einen enormen Marktwert, hatte bereits 2022 laut Motocross Action einen siebenstelligen Red-Bull-Vertrag[4] und wurde 2026 mit fünf Saisonsiegen und zwölf Podestplätzen erstmals 450er-Supercross-Champion.[5]
Für Fahrer, die auf diesem sportlichen Niveau Rennen und Titel gewinnen können, nennt Racer X aktuell eine Marktgröße von mehr als einer Million bis ungefähr 2,5 Millionen Dollar Grundgehalt vor zusätzlichen Boni.[1]
Diese Spanne ist ausdrücklich keine Angabe zu Roczens Vertrag. Sie zeigt lediglich, in welcher Größenordnung sich Spitzenfahrer seiner Kategorie bewegen können. Zusammen mit Siegprämien, Titelbonus und persönlichen Sponsoren ist für einen Fahrer seines Kalibers ein Gesamteinkommen von mehreren Millionen in einer sehr erfolgreichen Saison durchaus plausibel.
Wie viel verdient Jeffrey Herlings?
Hier gibt es zumindest für eine konkrete Saison eine außergewöhnlich klare Antwort. Für sein erfolgreiches Jahr 2018 bezifferte Herlings sein eigenes Einkommen später auf ungefähr 4,5 Millionen inklusive Boni und Sponsorenverträgen.[3]
Das ist eine historische Zahl und sagt nichts über sein heutiges Einkommen aus. Sie zeigt aber sehr gut, welche Summen selbst in der MXGP für einen dominierenden Spitzenfahrer möglich sein können.
Wie viel verdient ein Motocross-Profi pro Sieg?
Bei einem Spitzenfahrer kann allein der Factory-Siegbonus bereits einen sechsstelligen Betrag erreichen. Racer X nennt für einen Supercross-Sieg mehr als 100.000 Dollar, bei einzelnen Vertragsverhandlungen sogar ungefähr 175.000 Dollar.[1]
Dazu können offizielles Preisgeld und zusätzliche Boni persönlicher Sponsoren kommen. Das tatsächliche Einkommen aus einem einzelnen Sieg kann deshalb deutlich höher liegen als das Preisgeld, das in der offiziellen Ergebnisliste ausgewiesen wird.
Verdienen alle Werksfahrer Millionen?
Nein. Die Millionenbeträge betreffen vor allem die absolute Spitze des Sports.
Zwischen einem Fahrer, der regelmäßig um einen 450er-Titel kämpft, und einem Werksfahrer im Mittelfeld kann bereits ein erheblicher finanzieller Unterschied liegen. Bei kleineren Teams und Privateern verändert sich die Rechnung noch einmal vollständig.
Dass Teamgehälter bei einzelnen Spitzenfahrern inzwischen enorme Höhen erreicht haben, bedeutet nicht, dass jeder Fahrer im selben Rennen Millionär ist. Das Nagl-Beispiel zeigt das Gegenteil ziemlich eindrucksvoll.[8][9]
Fazit: Was verdienen professionelle Motocrossfahrer wirklich?
Die Antwort ist deutlich spannender als eine einzelne Durchschnittszahl.
Ein aktueller 450er-Spitzenfahrer mit realistischer Chance auf Rennsiege und Meisterschaften kann nach Branchen-Einschätzung bereits ein Grundgehalt von mehr als einer Million bis ungefähr 2,5 Millionen US-Dollar pro Jahrerhalten.[1] Dazu können sechsstellige Siegprämien, Meisterschaftsboni von einer Million Dollar oder mehr und große persönliche Sponsorenverträge kommen.[1]
Dass daraus tatsächlich mehrere Millionen Jahreseinkommen entstehen können, zeigt Jeffrey Herlings mit seiner eigenen Angabe von ungefähr 4,5 Millionen in seiner Saison 2018.[3] Nicolettis Einblick in ein mögliches Eli-Tomac-Paket verdeutlicht zusätzlich, wie sich Grundgehalt, Titelprämien, Rennsiege und Sponsorenverträge zu solchen Summen addieren können.[2]
Gleichzeitig existiert die völlig andere Seite des professionellen Sports. Max Nagl zeigte, dass selbst ein international erfolgreicher Fahrer in eine Situation geraten kann, in der kein klassisches Gehalt mehr angeboten wird oder persönliche Sponsoren notwendig sind, um den eigenen WM-Einsatz zu finanzieren.[8][9]
Motocross-Profi zu sein bedeutet deshalb nicht automatisch, Millionär zu sein.
Entscheidend ist, wo sich ein Fahrer sportlich und wirtschaftlich innerhalb der Pyramide befindet. Zwischen einem Privateer, der seine Saison mitfinanzieren muss, und einem Superstar, der mit Teamgehalt, Siegen, Meisterschaftsboni und Sponsorengeldern mehrere Millionen verdient, liegen Welten – obwohl beide am Ende mit einem Motocross-Bike am selben Startgatter stehen.
Quellen und weiterführende Informationen
[1] Racer X – Jason Weigandt: „2026 Silly Season Rumors“, 29. April 2025
Aktuelle Branchen-Einschätzung zum Fahrermarkt: über 1 Mio. bis ungefähr 2,5 Mio. US-Dollar Jahresgehalt für sieg- bzw. titelfähige 450er-Topfahrer; Factory-Boni von über 100.000 Dollar für einen Supercross-Sieg, teilweise rund 175.000 Dollar; ungefähr 100.000 Dollar für einen Pro-Motocross-Sieg sowie Meisterschaftsboni im Millionenbereich.
Racer X – 2026 Silly Season Rumors
[2] Racer X – Phil Nicoletti: „UnPhiltered“, 9. September 2022
Nicolettis ausdrücklich als Insider-Schätzung gekennzeichnete Aufschlüsselung eines möglichen Eli-Tomac-Pakets aus Grundgehalt, Siegprämien, Meisterschaftsboni und Sponsorendeals.
Racer X – Phil Nicoletti / UnPhiltered
[3] SPEEDWEEK – „Jeffrey Herlings: Habe 4,5 Millionen verdient“, 16. August 2023
Direkte Aussage von Herlings zu seinem Gesamteinkommen 2018 von ungefähr 4,5 Millionen inklusive Boni und Sponsoren sowie seine Einschätzung eines möglichen US-Spitzeneinkommens von 6 bis 8 Millionen pro Jahr.
SPEEDWEEK – Jeffrey Herlings: Habe 4,5 Millionen verdient
[4] Motocross Action Magazine – Ken Roczens Teamsituation, Dezember 2022
MXA berichtete damals von einem siebenstelligen Red-Bull-Vertrag Roczens und erläuterte die Bedeutung seiner persönlichen Sponsoren- und Factory-Bonusvereinbarungen für die Teamsuche.
Motocross Action – Ken Roczens damaliger Vertrag und Teamsituation
[5] Monster Energy AMA Supercross – Finale Salt Lake City, 9. Mai 2026
Offizielle Bestätigung von Roczens erstem 450er-Supercross-Titel: fünf Saisonsiege, zwölf Podestplätze und drei Punkte Vorsprung auf Hunter Lawrence.
Supercross – Roczens Meistertitel 2026
[6] SuperMotocross – offizielle Preisgeldangaben
10 Mio. US-Dollar Gesamt-Purse über die Saison, davon 5,5 Mio. für die Playoffs; 1 Mio. Dollar für den 450er- und 500.000 Dollar für den 250er-Champion.
SuperMotocross – About SMX
[7] We Went Fast – „2025 Supercross Purse“, 4. Juni 2025
Geschätzte 2025er Fahrer-Purse auf Basis der 2024er Auszahlungsstruktur; die Quelle weist selbst darauf hin, dass keine offizielle 2025er Auszahlungstabelle veröffentlicht wurde. Genannt werden 234.750 Dollar für Cooper Webb einschließlich Championship-Bonus und 76.700 Dollar für Ken Roczen.
We Went Fast – 2025 Supercross Purse
[8] SPEEDWEEK – Max Nagl: „Muss Geld mitbringen, um WM zu fahren!“, 15. August 2017
Direkte Aussagen Nagls zur Situation nach seinem Husqvarna-Vertrag: Bei freien WM-Plätzen mussten teilweise Fahrer eigenes Budget mitbringen; er verhandelte sogar über einen Platz ohne Gehalt.
SPEEDWEEK – Max Nagl muss Geld mitbringen
[9] SPEEDWEEK – „MXGP-Aus von TM – Max Nagl ohne Job für 2019“, 1. November 2018
Bericht über das damalige TM-Modell: Motorrad, Material und Teamstruktur wurden gestellt, während Nagl eigenes Gehalt und Reisebudget über persönliche Sponsoren abdecken musste.
SPEEDWEEK – Max Nagl und TM
[10] SPEEDWEEK – Pit Beirer über Motocross-Gehälter, 4. August 2025
Beirer beschreibt, wie der Wettbewerb um Spitzenfahrer die Gehälter in seiner Einschätzung auf ein ungesundes Niveau getrieben habe und der Markt anschließend wieder korrigiert wurde.
SPEEDWEEK – Motocross-Gehälter zu hoch
